Einmal im Jahr öffnen über 50 Berner Kunsthandwerker:innen ihre Ateliers und Werkstätten für die Öffentlichkeit – kostenlos, persönlich, hautnah. Die «Europäischen Tage des Kunsthandwerks» (ETAK) machen genau das sichtbar, was im Alltag hinter verschlossenen Türen passiert: wie ein Geigenbauer Klang in Holz verwandelt, wie eine Glasmalerin Licht durch Blei und Farbe lenkt, wie ein Uhrmacher verlorene Zeit wieder zum Ticken bringt.
Die dritte Berner Edition fand vom 22. bis 24. März 2024 statt – verteilt über Ateliers in der ganzen Stadt, mit Gaststandorten im Kornhausforum und im Haupt Atelier 14B am Falkenplatz. Die Bandbreite der vertretenen Berufe war beeindruckend: Keramik, Leder, Textil, Schmuck, Restaurierung, Papier, Holz, Musikinstrumente, Spezialtechniken und Glas – Geigenbau neben Sattlerei, Kalligraphie neben Seifensiederei, Klöppelspitze neben rituellen Masken.
Die Highlights 2024
Zu den persönlichen Begegnungen, die bleiben: Geigenbauer Thiemo Schutter und Rahel Widmer öffneten ihr Atelier im Beaumont-Quartier und zeigten, wie Geigen, Bratschen und Celli in enger Handarbeit entstehen. Glasbläserin Rahel Koller liess Besucher:innen dabei sein, wenn aus hitzebeständigem Borosilikatglas zeitlose Alltagsobjekte werden. Goldschmied Jörg Eggimann sprach nicht nur über sein Handwerk, sondern auch über die Herkunft seiner Rohstoffe – Gold und Edelsteine aus fairem Handel, Transparenz als Haltung.
Maskenbauer Ralf Assmann zeigte im Kornhaus, wie aus natürlichen Materialien rituelle Masken entstehen – und führte zwischendurch Performances auf, die Handwerk und Körpertheater verbanden. Seifensiederin Marianne Heller liess die Besucher:innen in den Duft natürlicher ätherischer Öle eintauchen und erklärte das aufwändige Kaltverseifungsverfahren, das hinter ihren runden Naturseifen steckt. Buchbinder Daniel Wenger demonstrierte im Kornhaus, wie ein Notizbuch zu 100% von Hand gebunden wird – auf einem Drahtbinder aus dem 19. Jahrhundert.
Wer tiefer gehen wollte, konnte selbst Hand anlegen: Workshops von der Porzellanformung über Tiefdruck bis zum Haarflechten. Vorträge über das «Kleine Schwarze», Schildpatt, die Zen-Künste im Handwerk oder bildgebende Untersuchungsmethoden in der Gemälderestaurierung. Und wer hinter die Kulissen wollte, fand den Weg ins Bernische Historische Museum, wo Textilrestauratorinnen die 550 Jahre alten Cäsartapisserien hüten – oder ins Naturhistorische Museum, wo Tierpräparatoren einen Beruf zeigten, den kaum jemand kennt.
Besonders: Bühnen Bern öffnete gleich zwei Türen – das Stadttheater für Schneideratelier, Requisitenwerkstatt und Modisterei, und die Probenbühnen in der Felsenau für Schreinerei, Schlosserei und Malsaal.
Was alle Beteiligten verbindet: Leidenschaft für Material und Prozess, tiefes handwerkliches Wissen – und der Wille, es weiterzugeben. Organisiert wird die ETAK Bern von Barbara und Elisabeth Schürer, den «Jumelles». 2024 war erstmals auch Langenthal dabei, mit 13 offenen Ateliers am Wochenende.